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Schmerzenskinder – Waris Dirie

21. August 2010

Genitalverstümmelung wird nicht nur in Afrika praktiziert, sondern auch hier vor unserer Haustür. Mindestens 500 000 Mädchen und Frauen in Europa sind davon betroffen, täglich kommen neue Opfer hinzu. Bestsellerautorin und UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie, die im Alter von fünf Jahren die Qualen der Beschneidung erlebte, war die erste Frau, die öffentlich über diese schlimme Folter sprach. Jetzt erzählt sie ihr Leben weiter, von dem Tag an, als sie ihr Schweigen brach: Sie berichtet von Begegnungen mit Opfern und Tätern, von den mühsamen Recherchen, von Rückschlägen und Erfolgen. Schmerzenskinder ist in vielerlei Hinsicht ein erschütterndes Buch, doch es ist auch ein Buch voller Kraft und Hoffnung für Millionen Frauen in aller Welt.

In ihrem dritten Buch geht Waris Dirie auf die Genitalverstümmelungen ausserhalb Afrikas ein, denn diese Rituale hören nicht mit den Grenzen Afrikas auf, sondern kommen mit ihren Auswanderungen mit nach allen anderen Kontinenten.

Sie sammelt Fakten und Vorgehensweisen der verschiedenen Länder in Europa über FGM (Female Genital Mutilation, weibl. Genitalverstümmelung) und setzt sich vermehrt gegen diese grausamen Praktiken ein. Auch hat sie in Wien verdeckt ermittelt und bei verschiedenen Ärtzen angefragt, ob diese bei ihrer Tochter eine Beschneidung machen würden, und so erfahren, dass die Zahl derer, die dazu Beihilfe machen würden erschreckend groß ist.

Dieses Buch zeigt auf erschreckende Weise das Schicksal dieser Mädchen und Frauen auf und man „fühlt mit ihnen“.

Was ich außerdem gut fand, waren im Anhang weiter führende Adressen für Betroffene,verschiedene Gesetzesgrundlagen dern unterschiedlichen Länder, sowie genaue Erklärungen der verschiedenen Formen von FGM.

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Nomadentochter – Waris Dirie

18. August 2010

Fast zwanzig Jahre ist es her, seit Waris Dirie ihre Familie bei der Flucht aus Somalia zurücklassen musste. Und immer war sie im Ungewissen, ob Eltern und Geschwister in dem von Krieg und Hunger gepeinigten Land noch lebten oder nicht. Ausgelöst durch eine persönliche Krise, fasst sie eines Tages den Entschluss, nach Somalia zurückzukehren. Die Ankunft in ihrer Heimat und die Wiederbegegnung mit ihrer Familie wird für Waris Dirie zur Herausforderung, sich mit ihrem früheren und ihrem neuen Leben auf sehr persönliche Art auseinanderzusetzen.

An sich fand ich das Buch recht gut geschrieben. Es zeigt wieder einmal interessante Einblicke in das Leben der somalischen Nomaden. Vor allem im Bezug auf die Krankenversorgung und den unterschiedlichen Stand von Mann und vor allem Frau. Besonders hervorzuheben wären Waris Diries Verhalten den Männern gegenüber. Obwohl sie teilweise sehr westlich rüber kommt, so zeigt sich doch,dass sie sich nicht gegen ihre Erziehung auf Somaliart wehren kann. So habe ich nie richtig den Eindruck gehabt, dass sie sich mal gegen ihre männlichen Verwandten richtig durchsetzt. Dadurch kam ihre eigene persönliche Zerrissenheit doch sehr deutlich hervor. Sie gehört weder richtig in die eine, noch in die andere Welt.

Ansonsten war das Buch mehr wie eine „Ausschlachtung“ von Wüstenblume. Sicherlich war die Zusammenführung von ihr und ihrem Bruder, mit ihrer Familie (besonders ihrer geliebten Mutter) sehr ergreifend, aber an sich fand ich es nicht so mitreißend wie Wüstenblume und mit vielen eher überflüssigen Textpassagen.

Natürlich konnte auch ich die innere Zerissenheit von Waris Dirie nachvollziehen, als sie erkennt, dass sie weder in der einen (westlich) noch in der anderen Welt (Somalia) richtig zu Haus ist, obwohl sie sich in beiden Welten zu bewegen weiß.