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Romain Sardou – Das dreizehnte Dorf

1. September 2011

Als Urlaubslektüre diente mir diesmal „Das dreizehnte Dorf“ von Romain Sardou.

Dieser Roman, der im 13. Jahrhundert in Frankreich und Rom spielt vereint mystische  Elemente mit einem Thriller. Zu der abgelegenen Diözese Draguan in Frankreich gehören 12 Dörfer. Bis im Winter  1284 plötzlich 3 verstümmelte Leichen auftauchen, die vom Fluss angespült wurden. Kurz darauf wird der Bischof ermordet und es stellt sich heraus dass es in der Gegend ein längst vergessenes dreizehntes Dorf gibt. Der junge Priester Henno Gui macht sich also auf den Weg in das vergessene Dorf Heurteloup.

Währendddessen entdeckt ein Mönch aus Draguan in den Pariser Archiven eine Verschwörung die scheinbar bis Rom reicht. 

Dieser Roman besteht aus mehreren Erzählsträngen und 3 Teilen. Zum einen wird das Abenteuer des Priesters Henno Gui beschrieben, der sich auf den Weg in das vergessene Dorf begibt und sich langsam an dessen Bewohner annähert. Andererseits wird aber auch die Reise des Mönches verfolgt, der zunächst nur die Leiche des Bischofs nach Paris bringen wollte. Als er dann auf einige Lücken in der Geschichte des Bischofs stößt, fängt er an auf eigene Faust zu recherchieren  und begibt sich dadurch selbst in Gefahr.

Ein dritter Erzählstrang  spielt in Rom. Ein bekannter Ritter möchte die Ehre seiner Familie retten, die sein Sohn fast zerstört hat, indem er den „Orden der Frommen Brüder“ als Deckmantel für seine blasphemischen Taten missbraucht .

Diese 3 Erzählstränge führen durch das ganze Buch und nur langsam erklärt sich der Zusammenhang.  Die große Anzahl an verschiedenen Personen und der ständige Wechsel der Handlungsorte erhöht zum einen zwar die Spannung, aber es vergrößert auch die Verwirrung.

Die Charaktere sind leider sehr einseitig beschrieben. Es gibt die eindeutig guten und bösen Kirchenmänner. Die Bewohner des vergessenen Dorfes haben interessante religiöse Ansichten entwickelt, aber dennoch wirken sie sehr flach.
Die ersten beiden Teile des Buches lesen sich wirklich sehr gut und als Leser kann man selber mitraten was wie zusammenhängt und wer hinter der Verschwörung stecken könnte. Die Lösung im 3. Teil des Romanes kommt sehr plötzlich. Ein großes Gemetzel am Ende lässt nicht viele Charaktere überleben und besiegeln das Ende so, dass nicht viel Interpretationsspielraum übrig bleibt. Es scheint als müsse der Autor einen ziemlich dicken Schlussstrich ziehen um keine weiteren Wendungen und Verwirrungen einbauen zu können.

Trotz dieser Schwächen am Ende des Buches habe ich es in wenigen Tagen durchgelesen und kann es als leichte Urlaubslektüre für diejenigen empfehlen, die sich für Kirchenverschwörungen und für Mittelaltergeschichten interessieren.

Tim Pears – Der Lauf der Sonne

12. August 2011

Vor einiger Zeit habe ich aus dem Bücherschrank einen Roman gefischt. Letztens stand ich vor meinem Bücherregal, habe blind hineingegriffen und in meiner Hand hielt ich „Der Lauf der Sonne“ von Tim Pears. Ich habe vorher noch nie von dem Buch gehört und auch der Autor ist für mich unbekannt. Ich bin also völlig ohne Vorahnung an das Buch rangegangen und irgendwie hat sich das Gefühl der Ahnungslosigkeit auch während des Lesens nicht gelegt.

Hier mal der Klappentext

Mit dem ersten Tag des neuen Jahres, Punkt Mitternacht, begeben sich sechs Menschen – scheinbar unabhängig voneinander – auf einen Weg, der ein ganzes Jahr dauern und das Schicksal jedes Einzelnen verändern und erfüllen wird. Wie durch ein unsichtbares Geflecht aus Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerungen und Neubeginn, Melancholie und Hoffnung sind diese Menschen verbunden. Und am Ende scheint wie bei einem Kaleidoskop hinter den bunten Facetten des Schicksals das Wesentliche auf – das Leben selbst. In seiner ganzen Vielfalt.

Wie erwähnt finden sich in diesem Buch viele Erzählstränge. Einzelne Personen, ihre Vergangenheit und ihre Gegenwart werden vorgestellt. Jeder Charakter für sich ist zwar interessant, aber sie wirken doch eher flach und überspitzt dargestellt. Über ein Jahr hinweg werden die Personen begleitet und nach und nach finden sie zusammen, so dass alle Einzelgeschichten am Ende zusammenkommen.

Eigentlich mag ich Bücher, bei denen sich alles erst am Ende auflöst, aber hier scheint es irgendwie zusammengezimmert. Ganz nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht.“

Durch die verschiedenen Erzählstränge werden auch viele Themen angesprochen. Neben Drogen, ein bisschen Sex und Musik werden auch EU-politische Themen , Tierversuche und Versuche am Menschen thematisiert. Diese Themen an sich finde ich interessant und lesenswert, aber leider ging die Betrachtung nicht sehr tiefgründig. Wahrscheinlich sind die Themen einfach zu weit gefächert um sie intensiver zu betrachten.

Nachdem ich das Buch beendet habe, musste ich erstmal darüber nachdenken was genau ich hier überhaupt gelesen habe. Wie gesagt: die einzelnen Themen sind schon interessant und die Verbindung zwischen Tier- und Menschenversuchen scheint mir auch verständlich, aber die Auflösung fand ich enttäuschend. Ich denke aus dem Buch, bzw aus der Thematik hätte der Autor viel mehr herausholen können. Einzelne Erzählstränge hätten gekürzt oder komplett weggelassen werden können um andere weiter hervorzuheben.

Tim Pears schreibt teilweise sehr ausschmückend. Allerdings kam es mir manchmal so vor als würde dies aus Sicht der mit Drogen vollgestopften Charaktere geschehen. Den einzelnen Handlungssträngen kann man zwar gut folgen, auch wenn es eine Weile dauert bis man alle Charaktere kennt und auseinanderhalten kann, dennoch fehlt im großen und ganzen der rote Faden.

James Patterson – Sonntags bei Tiffany

26. Mai 2011

Auf einem Hinterhofflohmarkt in Dresden, bei dem viele Sachen verschenkt wurde, habe ich vor einiger Zeit ein paar Bücher entdeckt. Unter anderem auch „Sonntags bei Tiffany“ von James Patterson.

288 Seiten
Verlag: Page & Turner
ISBN-10: 9783442203390

Die kleine achtjährige Jane wächst bei ihrer Mutter Vivienne  auf. Diese ist eine erfolgreiche Produzentin am Broadway und viel beschäftigt. Deswegen verbringt Jane viel Zeit allein mit ihrem Freund Michael. Obwohl Michael für alle anderen unsichtbar ist, ist es Janes bester Freund. Bis zu ihrem 9. Geburtstag, an dem Michael sie verlassen muss. Laut Gesetz der unsichtbaren Freunde muss dies so geschehen. Der Plan sieht vor, dass Jane sich nicht mehr an Michael erinnern kann und ihn somit auch nicht vermissen wird. 

Doch der Plan scheint schief zu gehen, denn Jane kann sich sehr gut an Michael erinnern und vermisst ihn jeden Tag. Auch als sie 23 Jahre später als Mitarbeiterin in der Produktionsfirma ihrer Mutter tätig ist, kann sie Michael nie ganz vergessen. Sie produziert ein eigenes Bühnenstück in dem ein kleines Mädchen und ihr unsichtbarer Freund die Hauptrolle spielen. Ihr Freund Hugh, der in diesem Stück die Rolle des Michael übernimmt, ist viel mehr an Janes Kontakten interessiert als an ihr selbst und Jane muss das auf nicht so schöne Art selbst erfahren. 

Michael unterdessen hat eben ein anderes Kind verlassen müssen und nutzt seine freie Zeit bis zu seinem nächsten Auftrag bei einem kleinen Kind in New York. Es kommt wie es kommen muss: Michael begegnet Jane und steht vor der Entscheidung ob er das Schicksal herausfordern soll und sich ihr zeigen soll. 

Zugegeben: dieser Roman ist sehr kitschig, dennoch sehr schön. Mir gefällt die Idee, eine Story um einen unsichtbaren Freund zu schreiben und ich hätte gern mehr über diesen „Job“ erfahren. Im Vordergrund steht in diesem Roman aber eindeutig die Beziehung von Jane zu Michael. Nachdem sie eine glückliche Kindheit mit ihm verbracht hat, ist eine Zukunft für beide nicht so einfach.

Der Schreibstil ist flüssig und wechselt die Sichtweisen. Einerseits werden Kapitel aus Janes Sicht beschrieben, andererseits aber auch aus Michaels Sicht. So kann man tiefer in die Gefühlswelt der jeweiligen Personen eintauchen und kann deren innere Kämpfe besser mitverfolgen.

Im Großen und Ganzen hat mir „Sonntag bei Tiffany“ gut gefallen. Es gibt unglaublich kitschige, romantische Szenen, aber das muss eben auch mal sein. Außerdem lockern die „Fantasy-Szenen“ um den unsichtbaren Freund alles ein wenig auf und zum schmunzeln gibt es letztendlich auch ein paar Stellen.

Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier

9. Mai 2011

In dem Roman geht es um Raimund Gregorius, ein Lehrer für Griechisch, Hebräisch und Latein an einem Berner Gymnasium, der von seinen Schülern „Mundus“ oder „Papyrus“ genannt wird weil er etwas langweilig und in seinem Fach eingefahren wirkt. Er trifft eines Morgens eine Frau, die, nachdem sie das Wort „portugues“ sagte, in ihm etwas auslöst, was ihn dazu veranlasst mitten im Unterricht weg zu gehen und sein Leben umzukrempeln. In einem antiken Buchladen fällt ihm das Buch von Amadeu de Almeida Prado, eines portugiesischen Arztes, in die Hände. Fasziniert von der portugiesischen Sprache und dem Klappentext auf dem Buch macht sich Gregorius auf den Weg nach Lissabon, um mehr über dieses Buch und den Autor zu erfahren. Dort trifft er Menschen, die Prado kannten und ihm vom Leben des intelligenten, sprachgewandten und selbstkritischen Arztes erzählen. So erfährt Gregorius von Prados schwierigen Elternhaus, seinen Selbstzweifeln und von der Widerstandsbewegung gegen den portugiesischen Diktator Salazar. Gregorius selbst wächst in gewisser Hinsicht über sich hinaus, denkt viel über sein Leben und seine Träume nach, und macht manchmal etwas verrückte Dinge.

Seit längerer Zeit habe ich mal wieder einen Roman gelesen und fand ihn insgesamt sehr gut. Es ist zwar keine „leichte Kost“, das man mal eben so nebenbei lesen kann (also ich zumindest nicht), aber die philosophischen Passagen regen zum Nachdenken an. Mir gefiel es gut, dass man nach und nach mit Gregorius alles über den portugiesischen Arzt erfährt. Man fiebert teilweise mit, wen Gregorius als nächstes trifft und welches Puzzle-Teil als nächstes zu dem Bild hinzugefügt werden kann. Auch wenn gewisse Dinge oder Personen etwas merkwürdig erscheinen, hat es mir Spaß gemacht das Buch zu lesen und kann es weiter empfehlen, wenn man mal etwas Philosophisches lesen möchte.

Neuzugänge auf die ich mich freue…

10. Februar 2011

…aber für die ich bisher leider noch keine Zeit hatte…

 

 

 

 

 

 

 

 

Kerstin Gier – Smaragdgrün

Sebastian Fitzek (Herausgeber) – P.S. Ich töte dich: 13 Zehn-Minuten-Thriller

 

Und was ich euch auch schon länger mal zeigen wollte: Mein neues Bücherregal

(Ein Klick aufs Bild vergrößert es)

Die Täuschung von Charlotte Link

23. Oktober 2010

Dieses Buch beschäftigt sich mit dem Thema, wie gut wir den Menschen wirklich kennen, mit dem wir unser Leben verbringen.

Peter Simon verschwindet spurlos auf einer Fahrt in die Normandie. Seine Frau Laura, hat keinen Anhaltspunkt wo sich ihr Mann befindet und macht sich auf die Suche. Dabei findet sie heraus, dass Peter nicht der Mann war, für den sie ihn immer gehalten hat. Sie steht plötzlich einem riesen Schuldenberg gegenüber und auch andere Geheimnisse beginnen sich zu lüften. Laura begreift, dass Peter ihr nicht nur seit Jahren etwas vorgemacht  sondern sie Stück für Stück aus seinem Leben gedrängt und abhängig gemacht hat. Plötzlich muss sie für sich selbst Verantwortung übernehmen und näheres  über Peter in Erfahrung bringen. Zur gleichen Zeit werden in der Normandie eine verwitwete Frau und ihre vierjährige Tochter umgebracht. Steht Peters Verschwinden mit den Morden in Zusammenhang?

Die TäuschungDas Buch besteht im Wesentlichen aus sechs Hauptpersonen, die alle miteinander verbunden sind. Die Handlung wird aus den verschiedenen Perspektiven der Hauptdarsteller erzählt und trägt somit zu Spannung bei. Auch für den Leser macht es dieser übersichtliche Täterkreis leichter, dem Mörder auf die Spur zu kommen und hier sind wir schon bei meinem Kritikpunkt: Bereits nach 200 Seiten kann sich der Leser denken wer der Mörder ist und auch welches Motiv hinter den Morden steckt. Natürlich ist es spannend weiter zu lesen und zu erfahren, wie auch Laura langsam dahinter kommt was geschehen ist, doch auch das Finale ist sehr vorhersehbar und nicht sonderlich spannend geschrieben.

Zusammenfassend kann ich sagen, das Buch ist „ganz nett“, aber teilweise etwas unlogisch. Es gibt wesentlich bessere Bücher von Charlotte Link!

Andrea Koßmann – Männertaxi

14. September 2010

Männertaxi ist der erste Roman von Andrea Koßmann und unter den Bücherbloggern schon ein kleiner Geheimtipp. Andrea Koßmann ist selbst auch eine begeisterte Bücherrezensentin und Kossis Welt wird vielen von uns Leseratten, die sich auch im Internet tummeln, ein Begriff sein.

Aber nun zu ihrem Erstlingswerk

Das Cover ist natürlich in seinem Quietschgelb schonmal ein Blickfang und wird im Bücherregal sicher nicht übersehen.

Isa Schwärzenbach ist eine Mitdreißigerin, Single und hat der Liebe abgeschworen. Sie will nur noch Spaß ohne Verpflichtungen.
Bei einem gemütlichen Abend mit ihrer besten Freundin Pia kommt ihr die Idee eines Männertaxis: Frauen sollen Männer ähnlich wie eine Pizza für einen Tag oder eine Nacht bestellen können. Isa beginnt also diese Marktlücke zu schließen und startet eine Anzeige in der sie die Männer aufruft, sich für ihre Idee zu bewerben.
Alles läuft gut an, die ersten geeigneten Männer sind gefunden und auch die ersten Kundinnen melden sich.
Bald wird Isa allerdings klar, dass Spaß im Leben nicht alles ist, Liebe gehört schließlich auch dazu und so wird ihr Leben mit Hilfe des Männertaxis ganz schön durcheinander gewirbelt.

Andrea Koßmann versteht es, ihrer Hauptfigur Isa Schwärzenbach Leben einzuflößen. Sie wirkt sehr real, hat ihre Ecken (oder eher Rundungen) und Kanten. Isa verkörpert äußerlich die starke Frau, die weiß was sie will, zweifelt aber auch innerlich an sich selbst und wünscht sich doch nur eine starke Schulter zum anlehnen. Auch die anderen Charaktere scheinen aus dem Leben gegriffen, auch wenn einige der Männer sehr typische Vorurteile verkörpern. Alle Charaktere durchleben eine gewisse Veränderung. Die einen mehr, die anderen weniger, aber immer glaubwürdig.

Das Buch ist witzig, es gab mehrere Stellen an denen ich still vor mich hingekichert, aber auch mal laut gelacht habe. Das liegt nicht nur an den teilweisen skurrilen Situationen, sondern vor allem an der sprachlichen Umsetzung, die wirklich gut gelungen ist. Aus der Ich-Perspektive von Isa lernt man die Männer so kennen, wie Isa sie sieht und kann ihre, teilweise etas wirren, Gedankengänge verfolgen.

Es gibt aber auch zwei, drei Szenen im Buch die einen schlucken lassen, weil sie einen wieder auf den Boden der Realität holen und zeigen, dass das Leben auch grausam sein kann. Ich hätte nicht gedacht, dass auch solche Seiten im Buch gezeigt werden, aber sie machen es abwechslungsreich und interessanter. Schließlich kann nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein.

Andera Koßmann ist hier wirklich ein sehr schöner erster Roman gelungen, „Eine turbulente Komödie“ trifft es wohl ziemlich gut, denn das Leben der Isabell Schwärzenbach ist sicher kein langweiliges 😉

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Ich möchte mich an dieser Stelle auch ganz herzlich beim Knaur Taschenbuch Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars bedanken!