Archiv für August 2010

Sturmzeit von Charlotte Link

27. August 2010

In diesem Buch geht es um die „faszinierende Geschichte einer ungewöhnlichen Frau in einer bewegten Zeit“ (Klappentext)

 

Sommer 1914: In Europa gärt es, doch auf dem Familiengut der Degnellys in Ostpreußen scheint noch Zeit zu sein für Idylle und Plänkeleien und für den Traum von der großen Liebe. Ein Traum, der die achtzehnjährige Felicia durch eine harte Zeit begleiten wird, in der alte Traditionen und Beziehungen untergehen und einer gar nicht mehr vornehmen Realität weichen. (Klappentext)

Wie der Klappentext bereits erwähnt handelt dieses Buch von Felicia Degnelly zur Zeit des ersten Weltkrieges. Das Buch erinnert sehr an die Handlung von „Vom Winde verweht“, wo Scarlett O´Hara sich von der reichen, verwöhnten Tochter durch den Krieg kämpfen muss und zweitweise nicht mal etwas zu essen hat. Felicia Degnelly durchlebt eine ähnliche Geschichte. Genau wie Scarlett ist Felicia eine egoistische, selbstsüchtige Person, die nicht ohne ihren persönlichen Vorteil handelt und aus trotz ihrer Jugendliebe Marek gegenüber einen Mann heiratet, der vom Charakter her Rhett Butler sehr ähnlich ist, den sie nicht liebt. Auch bei diesem Ehepaar kommt es zu Intrigen, Spielchen, Begehren und Hass.

Die Geschichte von Felicia ist sehr interessant geschrieben. Vor allem die Zeit vom Krieg wird sehr detailliert durch die verschiedenen Familienmitglieder der Familie Degnelly beschrieben und immer wieder mit geschichtlichem Hintergrund unterlegt. Obwohl die Geschichte an „Vom Winde verweht“ erinnert, ist sie doch kein billiger Abklatsch, da die Handlungen zur verschiedenen Zeiten spielen und die Persönlichkeiten der beiden Frauen zwar ähnlich sind, aber jede auf ihre Weise anders faszinierend ist.

Ich persönlich lese sehr gerne die Geschichten von willensstarken Frauen, die sich gegen die Traditionen ihrer Zeit auflehnen und sich damit auch schon mal gerne die Ablehnung der „Alten“ einheimsen.Charlotte Link schafft es den Leser an dieses Buch zu fesseln und es wird einem während des Lesens nie langweilig. Durch die Sprünge zwischen den verschiedenen Charakteren wird die Spannung noch gesteigert. „Sturmzeit“ ist ein MUSS für alle Charlotte Link- Fans, aber auch für alle die Bücher, wie „Sturmhöhe“, „Vom Winde verweht“ und „Scarlett“ toll fanden. Ich freu mich schon auf den zweiten Teil der Triologie und bin gespannt wie es mit Felicias Leben weiter geht.

Michael Tietz – Rattentanz

25. August 2010

Mein Langzeitprojekt „Rattentanz“ wurde gestern abend endlich beendet und ich kann endlich meine Meinung zu dem Roman kundtun 😉
Aber erstmal kurz zur Frage, wieso das überhaupt so lange gedauert hat: Zum einen hat das Buch 837 Seiten (ich lese das Nachwort immer mit), welche relativ kleine beschrieben sind. Zum anderen musste ich zwischendrin mit mir kämpfen, ob ich das Buch wirklich weiterlesen möchte oder es einfach zur Seite lege. Der Lesedrang hat letztendlich gesiegt und ich habe es nach einer längeren Pause wieder vorgeholt. Diese längere Pause kam unter anderem auch durch meinen ersten Flug zustande. Da ich da sowieso schon leicht panisch war, konnte mir ein Buch, welches mit zahllosen Flugzeugabstürzen beginnt nicht wirklich weiterhelfen.

Nun aber mal zum Inhalt:
In dem kleinen Örtchen Wellendingen fällt am 23. Mai früh um 7 der Strom aus. Das Radio funktioniert genausowenig wie das Licht, aber auch Handys funktionieren nicht mehr und zu allem Unglück stürzen auch noch Flugzeuge vom Himmel. Ob der Stromausfall mit den Abstürzen in Verbindung steht, ist für die Bewohner unklar. Doch der Leser weiß, dass 2 Schüler an diesem Unglück schuld haben. Nicht nur Wellendingen ist von dem großen Stromausfall betroffen, sondern die ganze Welt. Die Kraftwerke sind stillgelegt, die mediale Vernetzung gibt es nicht mehr und die Menschen leben auf einem Schlag wieder im Mittelalter. Da nichts darauf hindeutet, dass sich dieser Zustand bald wieder bessert, ist zunächst jeder auf sich allein gestellt. Es herrscht zunächst Gewalt, Mord und der Kampf ums Überleben.


(Bildquelle)

Wie bereits erwähnt liegt der Hauptblick auf dem Dörfchen Wellendingen und seinen Bewohnern. Es wird gezeigt, wie sie im ersten Chaos nach der Katastrophe versuchen zu überleben und zu begreifen was geschehen ist. Es gibt mehrere Hauptakteure und so springt die Story oft hin und her. Das führt zwar nicht zu Verwirrungen, wird aber irgendwann zu viel. Vor allem da Personen vorgestellt werden, welche im nächsten Moment sterben. Diese Personen treiben die Handlung allerdings nicht voran, sondern sollen wahrscheinlich einfach nur die katastrophalen Zustände verdeutlichen. Zusätzlich zu der Geschichte rund um Wellendingen wird auch noch die Reise von Hans Seger, ein Einwohner des Dörfchens, erzählt. Dieser befindet sich in Schweden und kämpft sich nun zurück in seine Heimat, in der sich seine Frau und seine Tochter selbst durchschlagen müssen.
Die Zustände gleichen denen im Mittelalter, wie schon im Prolog deutlich wird, welcher im Übrigen das Ende vorherahnen lässt.

Gerade der Anfang war für mich eher schwierig, ich wollte das Buch oft weglegen, da es mir einfach zu übertrieben erschien: innerhalb weniger Stunden nach dem Stromausfall kommt es bereits zu Plünderungen und Morden. Natürlich weiß ich nicht, wie es in Deutschland aussehen würde, würde sowas tatsächlich mal eintreten, aber während des Lesens ging es mir einfach zu schnell und es wurde zu viel. Viele Charaktere haben einen sehr stereotypen Charakter, so gibt es den Bösen, die eindeutig Gute welche sich für allen und jeden einsetzt und eine Figur die nicht genau weiß wo sie hingehört.

Wahrscheinlich liest man aus meiner Rezension keine überschwängliche Begeisterung, wie bei vielen anderen Büchern die ich hier bisher vorgestellt habe. So ist es auch, würde ich Punkte vergeben wären es wohl 4 von 10. Irgendwie hat das Buch was, was für mich schwer zu erklären ist. Vielleicht die generelle Verarbeitung des Themas: Wie reagiert die Menschheit wenn sie plötzlich mit mittelalterlichen Zuständen zu kämpfen hat? Generell finde ich diese Frage sehr spannend. Miachel Tietz hat sie eben in seinem Werk „Rattentanz“ für sich beantwortet.

[Hörbuch] Hape Kerkeling – Ich bin dann mal weg

24. August 2010

Ich bin dann mal weg. 6 CDs: Meine Reise auf dem Jakobsweg

In diesem Hörbuch liest Hape Kerkeling persönlich sein Buch, welches er über seine Begehung des Jakobwegs geschrieben hat. Das Buch ist als Tagebuch aufgebaut, wobei  jeder Tag einem Kapitel entspricht und unterschiedlich lang ist. Ich habe das Buch angefangen zu lesen, fand es allerdings eher langweilig und habe es nach 100 Seiten weggelegt.

Das Hörbuch reizt einen schon mehr, da es durch Hape Kerkeling ureigenste Art amüsant erzählt wird. Neben seinen eigenen Problemen mit dem Jakobsweg, wie zum Beispiel die ewig schmerzenden Füße, seinen Anekdoten, die er immer wieder einschiebt, amüsieren den Hörer immer wieder die Begegnungen mit anderen Pilgern. Das Hörbuch ist zum Teil komisch zum Teil traurig und manchmal stößt es einen auch zum Denken an. Während des Hörens hat man auf jeden Fall das Gefühl zusammen mit  Hape Kerkeling den Weg zu gehen und seine Sorgen und Freuden mit zu empfinden.  Durch seine anschauliche Beschreibung bekommt man Lust den Jakobsweg selber einmal zu laufen, um herauszufinden, was er mit einem persönlich macht.

Kleiner Tipp von mir: Durch die ruhige Erzählweise eignet sich dieses Hörbuch sehr gut zum Einschlafen 😉

Schmerzenskinder – Waris Dirie

21. August 2010

Genitalverstümmelung wird nicht nur in Afrika praktiziert, sondern auch hier vor unserer Haustür. Mindestens 500 000 Mädchen und Frauen in Europa sind davon betroffen, täglich kommen neue Opfer hinzu. Bestsellerautorin und UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie, die im Alter von fünf Jahren die Qualen der Beschneidung erlebte, war die erste Frau, die öffentlich über diese schlimme Folter sprach. Jetzt erzählt sie ihr Leben weiter, von dem Tag an, als sie ihr Schweigen brach: Sie berichtet von Begegnungen mit Opfern und Tätern, von den mühsamen Recherchen, von Rückschlägen und Erfolgen. Schmerzenskinder ist in vielerlei Hinsicht ein erschütterndes Buch, doch es ist auch ein Buch voller Kraft und Hoffnung für Millionen Frauen in aller Welt.

In ihrem dritten Buch geht Waris Dirie auf die Genitalverstümmelungen ausserhalb Afrikas ein, denn diese Rituale hören nicht mit den Grenzen Afrikas auf, sondern kommen mit ihren Auswanderungen mit nach allen anderen Kontinenten.

Sie sammelt Fakten und Vorgehensweisen der verschiedenen Länder in Europa über FGM (Female Genital Mutilation, weibl. Genitalverstümmelung) und setzt sich vermehrt gegen diese grausamen Praktiken ein. Auch hat sie in Wien verdeckt ermittelt und bei verschiedenen Ärtzen angefragt, ob diese bei ihrer Tochter eine Beschneidung machen würden, und so erfahren, dass die Zahl derer, die dazu Beihilfe machen würden erschreckend groß ist.

Dieses Buch zeigt auf erschreckende Weise das Schicksal dieser Mädchen und Frauen auf und man „fühlt mit ihnen“.

Was ich außerdem gut fand, waren im Anhang weiter führende Adressen für Betroffene,verschiedene Gesetzesgrundlagen dern unterschiedlichen Länder, sowie genaue Erklärungen der verschiedenen Formen von FGM.

Nomadentochter – Waris Dirie

18. August 2010

Fast zwanzig Jahre ist es her, seit Waris Dirie ihre Familie bei der Flucht aus Somalia zurücklassen musste. Und immer war sie im Ungewissen, ob Eltern und Geschwister in dem von Krieg und Hunger gepeinigten Land noch lebten oder nicht. Ausgelöst durch eine persönliche Krise, fasst sie eines Tages den Entschluss, nach Somalia zurückzukehren. Die Ankunft in ihrer Heimat und die Wiederbegegnung mit ihrer Familie wird für Waris Dirie zur Herausforderung, sich mit ihrem früheren und ihrem neuen Leben auf sehr persönliche Art auseinanderzusetzen.

An sich fand ich das Buch recht gut geschrieben. Es zeigt wieder einmal interessante Einblicke in das Leben der somalischen Nomaden. Vor allem im Bezug auf die Krankenversorgung und den unterschiedlichen Stand von Mann und vor allem Frau. Besonders hervorzuheben wären Waris Diries Verhalten den Männern gegenüber. Obwohl sie teilweise sehr westlich rüber kommt, so zeigt sich doch,dass sie sich nicht gegen ihre Erziehung auf Somaliart wehren kann. So habe ich nie richtig den Eindruck gehabt, dass sie sich mal gegen ihre männlichen Verwandten richtig durchsetzt. Dadurch kam ihre eigene persönliche Zerrissenheit doch sehr deutlich hervor. Sie gehört weder richtig in die eine, noch in die andere Welt.

Ansonsten war das Buch mehr wie eine „Ausschlachtung“ von Wüstenblume. Sicherlich war die Zusammenführung von ihr und ihrem Bruder, mit ihrer Familie (besonders ihrer geliebten Mutter) sehr ergreifend, aber an sich fand ich es nicht so mitreißend wie Wüstenblume und mit vielen eher überflüssigen Textpassagen.

Natürlich konnte auch ich die innere Zerissenheit von Waris Dirie nachvollziehen, als sie erkennt, dass sie weder in der einen (westlich) noch in der anderen Welt (Somalia) richtig zu Haus ist, obwohl sie sich in beiden Welten zu bewegen weiß.

Todsünde von Tess Gerritsen

15. August 2010

 

Mit Todessünde habe ich nun endlich mein erstes Tess Gerritsen- Buch gelesen. Auch wenn ich dabei mitten drin angefangen habe, da Todessünde nicht das erste Buch der Reihe ist, habe ich es dennoch gut verstanden.

In einem Kloster nahe der Stadt Boston ist die Novizin Camille Maginnes brutal erschlagen worden. Der der Autopsie findet die Pathologin Maura Isles heraus, dass die junde Frau kurze Zeit vor ihrem Tod entbunden haben muss – doch von dem Kind fehlt jede Spur. Dann wird eine zweite Frauenleiche gefunden, bei der Maura Anzeichen für eine frühere Lepra-Erkrankung feststellt. Detective Rizzoli, die mit den Ermittlungen betraut wird, und Maura Isles vermuten eine Verbindung der beiden Fälle. Und die Entdeckung eines grausamen Geheimnisses gibt Jane und Maura auf schreckliche Weise Recht… (Klappentext des Buches)

Das Buch ist wirklich spannend und fesselnd geschrieben. Je mehr Dr. Isles und Detective Rizzoli über das Leben der beiden Frauenleichen herausfinden, desto mehr fiebert man dem Ende entgegen, indem (hoffentlich) den beiden Frauen Gerechtigkeit wiederfahren wird. Wer sich für die Arbeit in der Gerichtsmedizin interessiert und vor allzu detailreichen Beschreibungen nicht zurückschreckt, ist mit Tess Gerritsen gut bedient.  Obwohl ich das Buch ziemlich schnell durchgelesen hatte, muss ich doch ein wenig Kritik üben:  In diesem Buch der Reihe steht nicht die Tat im Vordergrund, sondern vielmehr die Privatleben der beiden Hauptdarstellerinnen, was für die weiteren Bücher vielleicht Notwendig und wichtig erscheint, verzögert hier nur die Aufklärung der Tat und wirkt durch manche Monologe eher langweilig und man bekommt  neben einem Thriller  auch den Eindruck von einem Liebesroman.

Zusammenfassend kann ich sagen: Ich werde  auf jeden Fall noch andere Bücher von Tess Gerritsen lesen und wer sich für diese Bücher interessiert, sollte vielleicht nicht wie ich mitten drin anfangen 😉

Die Chirurgin
Der Meister
Todsünde
Schwesternmord
Scheintot
Blutmale

Wüstenblume – Waris Dirie

15. August 2010

Vom Nomadenleben in der somalischen Wüste auf die Laufstege der teuersten Designer der Welt- ein Traum. Und ein Alptraum, denn Waris Dirie wurde im Alter von fünf Jahren Opfer eines grausamen Rituals: Sie wurde beschnitten. In Wüstenblume hat sie ihre Geschichte niedergeschrieben und als UNO-Sonderbotschafterin den Kampf gegen die FOlter der rituellen Beschneidung aufgenommen.

In diesem Buch erzählt Waris Dirie die Geschichte ihrer Kindheit in Somali. Vom Leben als Nomadin mit einer Großfamilie, deren Sicherung des Überlebens aus dem Hüten der Ziegen und Kamele bestand. Auch geht sie auf die Stellung der Frau in ihrer somalischen Tradition ein. Sie beschreibt dies alles sehr ausführlich, sodass man einen guten Einblick in das Leben ihrer Familie/ihrer Tradition bekommt.

Plötzlich verändert sich ihr Leben, als sie in London entdeckt wird und auf einmal als Model ohne Geldmangel oder sonstige Sorgen ein vollkommen anders Leben führt als sie es von ihrer Kindheit gewohnt ist. Auch hier finde ich, ist es sehr schön deutlich gemacht worden, wie verwirrend und beängstigend es für sie vor allem in der ersten Zeit war.

Als weiterer Punkt wird die Genitalverstümmelung thematisiert. In Somalia und auch anderen afrikanischen Ländern wird dort aus Tradition, damit man eine „reine“ Frau wird und einen Mann ehelichen kann beschnitten, und dann wieder zugenäht, sodass man nur noch ein Streichholz-großes Loch hat. Sie beschreibt, welche Probleme und Schmerzen damit einhergehend sind. Nicht nur die primären, sprich dass so viele Mädchen bei der Prozedur verbluten oder durch Infektionen sterben, sondern auch die sekundären Probleme bei den Überlebenden.

Ich fand Waris Diries Autobiographie sehr aufschlussreich. Die Zerrissenheit einer „Wüstenblume“, bei der Zeit nie eine Bedeutung hatte oder solch triviale Dinge wie die ganzen Luxusgüter, nach denen wir hier alle streben. Außerdem zeigte es einen besseren Einblick in  die Traditionen in Afrika, schöne wie grausame.